Ausrüstung Top und Flop

Ausrüstung Top und Flop

So, heute gibt es keine hübschen Landschaftsfotos, sondern ich will mal ein bisschen über meine Ausrüstung schreiben.

Hier nochmal meine Packliste: https://lighterpack.com/r/9xgp0x

Da fehlt allerdings ein Thermo-Shirt (Gewicht hab ich nicht und hab es auch nicht mehr, sehr leicht war es nicht.), ansonsten ist glaub ich das Meiste drauf.

Ich hab vor meinem Trip echt viel Zeit mit der Recherche verbracht, tausende Foren, Blogs und Testberichte gelesen und das hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ich war mit meiner Ausrüstung zufrieden und hab alles genutzt und gebraucht (abgesehen von der ersten Hilfe). Aber an der ein oder anderen Stelle kann man auf jeden Fall noch was Optimieren. Generell gilt bei allen meinen Sachen, das es immer noch etwas leichter geht. Das ist allerdings sowohl eine Preisfrage als auch eine Frage des gewünschten Komforts.

Zelt

Mein Zelt ist das beste Beispiel für mögliche Optimierung. Das Fly Creek ist ein gutes Zelt, leicht aufzubauen und hielt auch bei Sturm und Regen ohne Probleme, obwohl ich nicht mal alle Leinen zum abspannen benutzt habe. Aber nachdem ich Anfangs unbedingt ein Zelt haben wollte um Insekten und Nager draußen zu halten, habe ich insbesondere als ich mit Eric zusammen war fast immer ohne Zelt geschlafen.

Hauptgrund war einfach Faulheit, insbesondere morgens das Zelt wieder einzupacken nervt. Außerdem ist es einfach viel cooler unter freiem Himmel zu schlafen. Ich war jedoch nur in der Wüste und so wie ich es aus einigen anderen Blogs lese, gibt es später unfassbar lästige Moskitoschwärme. Da wird Cowboycampen wohl nicht so toll sein. Ich glaube ich würde das nächste mal eher nur mit einem Tarp und einem passenden Mesh-Zelt unterwegs sein. Quasi als Notunterkunft für Regen und Moskitoalarm und ansonsten nur Cowboycampen.

Schlafsack

Womit ich auch nicht so ganz glücklich war, war mein Schlafsetup. Ich hatte einen Cumuls Comforter (den wärmsten den die im Angebot haben), ein wärmendes Inlet von STS und eine Neoair. Über das Inlet war ich sehr froh, zum einen hätte der Comforter in den Nächten wo es mal um die 0 Grad waren nicht ausgereicht (obwohl ich alle Klamotten an hatte), zum anderen haben die ganzen Ultralight Schlafsäcke und Quilts ein großes Problem, der Stoff fühlt sich sehr nach Plastik an. Das bedeutet das wenn man ohne lange Hose oder Shirt schläft, durch das Material auf der Haut sehr schnell anfängt zu schwitzen. Zumindest mir ging das so. Durch das Inlet konnte man das vermeiden, allerdings hat das Inlet wiederum das Problem, dass die Mumienform die Bewegungsfreiheit die ich eigentlich haben wollte zunichte gemacht hat. Letztendlich war es ok und ich hatte keine großen Schlafprobleme aber irgendwie war es nie so richtig perfekt. Auf dem PCT hatte ich Nachts Temperaturen zwischen 0 und 30 Grad, das mit einem Schlafsack abzudecken ist auch echt schwer. Falls ich über eine eierlegende Wollmilchsau in Sachen Schlafsack stolpere werde ich berichten.

Isomatte

Zwischendrin hatte ich mir eine Zlite geholt und irgendwo im Blog auch geschrieben, dass ich dort im Leben nicht drauf schlafen könnte. Das hat sich komplett geändert. An einem Abend war der Untergrund so mit Dornen übersät, dass ich die NeoAir nicht nutzen konnte und nur auf der Zlite geschlafen habe. Seit dieser Nacht schlafe ich wie ein Baby auf der Zlite, ich wurde tatsächlich zum halbwegs ruhigen Bauchschläfer.  Da ich nun auf der Zlite schlafen kann, ist die NeoAir im Vergleich für mich tatsächlich ein ziemlicher Flop. Sie ist zu schmal und hoch, zumindest Anfangs ziemlich laut, das ständige Aufblasen nervt und ohne Unterlage ist sie zu gar nichts zu gebrauchen. Da die Zlite nicht sehr hoch ist, hat man auch nicht das Gefühl, dass die Arme an den Seiten herunterfallen, das Ding ist für jede Pause ein Traum, sie ist eh draußen am Rucksack befestigt und innerhalb von einer Sekunde auf dem Boden und in drei Sekunden wieder am Rucksack befestigt, vorbei mit dem Sitzen im Dreck und kein aufpassen auf Steinchen oder Dornen. Einziges Manko, sie wärmt nicht ganz so gut wie die NeoAir.

Kleidung

An meiner Kleidung gab es soweit nichts auszusetzen, positiv überrascht hat mich das Merinoshirt von Decathlon. Das hatte ich in der Regel tagsüber zum wandern an, es schützt gut vor der Sonne, man schwitzt nicht übermäßig drin und wenn man es abends auslüftet stinkt es auch nicht sonderlich, besser als etliche Hikerhemden. Zip-Off Hose war Anfangs ganz ok, allerdings nachdem ich ein paar Kilo runter hatte, saß die nicht mehr sonderlich gut und scheuerte, so dass ich auf meine Merino-Leggings umsteigen musste. Würde daher wohl zukünftig direkt eine Leggings nutzen.

Sonstiges

Kocher würde ich mir das nächste mal wahrscheinlich sparen. Ich hatte so und so Probleme irgendwas runter zu bekommen, dass ich auf Kochen meist gar keine Lust hatte und wenn ich dann mal was gegessen habe, dann waren es eher Tortillas oder irgendwelche Riegel.

Mein SPOT hat bestens funktioniert, gebraucht habe ich ihn außer für eine tägliche Nachricht an meine Familie nicht. Aber in diesem Jahr wurden schon so einige von einem SPOT oder einem InReach gerettet, daher würde sowas auf jeden Fall wieder mitnehmen, auch wenn ich die Preise noch immer unverschämt finde.

 

Ein paar Teile die viele nicht dabei haben, die sich für mich aber als absolute Lieblingsstücke herausgestellt haben:

Sonnenschirm

Ich habe meinen Schirm geliebt und würde ihn jederzeit wieder mitnehmen. Um wieviel Grad es unter dem Sonnenschirm wirklich kühler ist weiß ich nicht, aber wenn man in der prallen Sonne läuft und dann den Schirm nutzt sind es zumindest gefühlt 10 Grad weniger. Auch in den Pausen echt super, da man manchmal wirklich meilenweit an keinem schattigen Plätzchen vorbeikommt. Man muss aber unbedingt drauf achten, dass man den Schirm gut am Rucksack befestigen kann und die Hände frei behält. Der Osprey Exos eignet sich super, da er eine Meshtasche an der Schulter hat, dann noch mit einem Kabelbinder oder Klettband stabilisieren und fertig ist der tragbare Schatten.

Kopfkissen

Ja man kann den Klamottenbeutel nehmen oder die Daunenjacke oder was auch immer, aber das rutscht und in kalten Nächten habe ich die Klamotten ja am Körper. Ich brauche ein Kopfkissen, ohne geht es absolut nicht und das kleine aufblasbare Kissen war super bequem und hat definitiv für einen besseren Schlaf gesorgt.

Campschuhe

Auch ein extra paar Schuhe finden manche sinnfrei, ich fand es super. Gerade abends ist man froh, die Füße aus den Schuhen zu bekommen, meist ist der Untergrund voller Steinchen und barfuß laufen eher nicht zu empfehlen und in den Duschen auf den Campingplätzen will das auch keiner. Mit ein bisschen Mut zur Hässlichkeit (also Zehensocken) bleiben die Füße auch mit FlipFlops warm.

 

 

 

 

 

 

 

Ich hab übrigens Leute getroffen, die angeblich nur 5 Pfund als Baseweight hatten, wie die das gemacht haben ist mir ein Rätsel. Könnte mir vorstellen, mein Baseweight um bis zu 2 Kilo zu reduzieren, wenn ich Rucksack, Zelt und ein paar Kleinigkeiten ändern würde, aber auf 2,5 Kilo würde ich im Leben nicht kommen. Muss es aber ja auch nicht. Mit 7kg war ich in dem Bereich, den die Meisten auf Ihrem Rücken schleppten und es war gut tragbar. In den Etappen mit viel Wasser auf dem Rücken verflucht man aber grundsätzlich jedes Gramm das man dabei hat.


3 Gedanken zu „Ausrüstung Top und Flop

  1. Hi Anne,

    danke für das Review! Ich beschäftige mich jetzt schon so lange mit der Wahl Ausrüstung, kann mich aber einfach nicht entscheiden und hab bisher kaum etwas zusammen. 😀 Aber dein Bericht hier hat mir zumindest ein paar weitere Denkanstöße gegeben.

    Den Exos 58 hatte ich auch in Erwägung gezogen, leider wurden beim 2018er Modell die Hipbelt-Taschen entfernt (warum auch immer..). Tendiere jetzt zum ÜLA Circut, der leider aber auch wie der Exos nicht zu den leichteren Modellen gehört.
    Überhaupt werde ich wohl kaum so leicht unterwegs sein wie du denke ich. Naja mal sehen, muss mir das alles nochmal durch den Kopf gehen lassen und will dann in den nächsten Wochen langsam die Sachen besorgen.

    Eine Frage hätte ich an dich: Spielst du mit dem Gedanken deinen PCT in den nächsten Jahren fortzusetzen oder vielleicht stattdessen einen anderen Trail zu laufen?

    Viele Grüße,
    Nils

    1. Hi Nils,

      bei Osprey sollten die dringend mal den Hüfttaschenbeauftragten austauschen 😉 Keine Ahnung was die sich dabei denken.
      ULA Circuit hatte ich auch in der Auswahl, damit machst du glaub ich nichts falsch. Ich würd mir den einfach mal bestellen und anprobieren. Das gilt wohl für den großteil der Ausrüstung, was für den einen super ist, kann für den anderen ein Reinfall sein. Und manchmal macht man sich auch zu viele Gedanken, ich hab so viel unterschiedliche AUsrüstung auf dem PCT gesehen und irgendwie funktioniert alles und wenn etwas gar nicht geht, dann kann man auch unterwegs nochmal was neues organisieren. Versuch es einfach so leicht wie möglich zu halten.

      Der PCT wird mich bestimmt nochmal wiedersehen wie und in welcher Form steht allerdings in den Sternen. Klar würde ich den am liebsten nochmal komplett in Angriff nehmen, aber ein halbes Jahr eine Auszeit nehmen ist ja auch nicht mal so eben gemacht. Vielleicht geh ich den PCT in mehreren Etappen an, vielleicht in ein paar Jahren auch nochmal komplett, wenn es privat und beruflich möglich ist. Für die nächsten 2 Jahre werde ich aber eher kürzeres in Europa machen. Möchte gerne nochmal nach Schottland, nächstes Jahr werde ich wahrscheinlich mit meiner Mutter den Lechweg wandern. Schweden und Island stehen auch recht weit oben auf der Liste. Ich hänge also die Wanderschuhe bestimmt nicht an den Nagel.

      LG
      Anne

  2. Als Isomatte aus der Neo Air-Gruppe würde ich auch eher die NeoAir® Trekker™ nehmen, diese Matte ist rechteckig und ist aus dickerem und stabilerem Material gefertigt als die klassische Neo Air. Zudem raschelt sie auch nicht so stark. Allerdings hat man dabei stets das Problem mit Löchern oder Delaminierung. Ich bin gerne mit der Ridge Rest unterwegs. Vor allem wenn man sich einfach mal kurz hinlegen oder draufsetzen möchte ist eine Matte, die man erst noch aufblasen muss, sehr unpraktisch.
    Und beim Rucksack sollte man sich wegen 200-500 Gramm nun wirklich keinen Kopf zerbrechen. Die ganz leichten Rucksäcke haben ja kein Innengestell und sind mühsam zu packen damit das Ganze noch bequem ist. Und wehe, man muss einmal einige Liter Wasser mitschleppen, dann überschreitet man schnell die Komfortgrenze. Es gibt ja Statistiken über den PCT: der größte Teil aller Wanderer, die tatsächlich die gesamte Strecke innerhalb einer Saison schaffen, benutzen Gestell-Rucksäcke. Diese Rahmenlose Säcke waren mal vor 8-10 Jahren „in“, da aber meist nur bei Touren von wenigen Tagen eingesetzt.
    Schottland ist toll, da solltest du unbedingt hin 🙂
    Herzliche Grüße, Dirk

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