Ich wäre gern Ultralight

Ich wäre gern Ultralight

Auch wenn mir einige Kilos weniger nicht schaden würden, geht es hier nicht um mein Körpergewicht sondern um meine Ausrüstung.

Wer vorhat eine Langstreckenwanderung zu unternehmen und anfängt darüber im Internet zu recherchieren, kommt an einem Begriff nicht vorbei: Ultralight!

Ultraleicht bedeutet, dass das Basisgewicht des Rucksacks (also ohne Verbrauchsgüter) 5 kg nicht überschreitet. Wenn man so an Schulzeiten zurück denkt, war der Rucksack des öfteren deutlich schwerer. Und mit dem Gewicht eines Schulrucksacks wandern zu gehen klingt erheblich einfacher als mit einem 20 kg schweren Schrank auf dem Rücken durch die Wälder zu stapfen.

Wenn man aber nun als normaler Wanderer seine Wanderklamotten rausholt und anfängt zu wiegen, wird man schnell merken, dass das nicht so ganz einfach ist. Mein alter Wanderrucksack, der wirklich bequem war, wog schon allein über 2kg, der Kunstfaserschlafsack hatte etwa 1,3kg und mein kleines 1-Personen-Zelt das jetzt auch nicht vom Wühltisch war sondern recht teuer, wog nochmal etwa 1,4kg. Damit wären die 5kg so gut wie voll und ich hab noch nicht mal eine Isomatte oder eine Unterhose zum Wechseln dabei. Und wenn ich an meine mehrtägigen Wanderungen denke, die ich bis dato unternommen habe, hatte ich teilweise echt Schwierigkeiten meinen Rucksack überhaupt geschultert zu bekommen. Auf dem Jakobsweg war ich mit etwa 12 kg unterwegs, ohne Zelt, Kocher und nur mit dünnem Schlafsack. In Schottland, wo ich keine Herbergen hatte sondern im Zelt übernachtete waren es bestimmt gute 16kg, wenn nicht sogar mehr. Sobald der Rucksack auf dem Rücken war, ging es mit der Fortbewegung irgendwie, angenehm ist aber was anderes…

So kommt man schnell zur Erkenntnis: So geht das nicht! Ich muss eigentlich meine ganze Ausrüstung austauschen und das hab ich auch getan.

  1. RucksackIn normalen Outdoorläden, gibt es eine Vielzahl von Rucksäcken. Mit Platz für 70 Liter Gepäck oder sogar noch mehr. Extra Schlafsackfach, die best gepolsterten Hüftflossen, Luftzirkulation am Rücken, Zugang zum Hauptfach in unzähligen Varianten etc. Das Gewicht dieser Supertalente beträgt aber in der Regel um die 2kg und kommt daher nicht in Frage. Wenn man aber weiter sucht, findet man auch Rucksäcke mit einem Gewicht von etwa 500g, die bieten keinen der oben genannten Vorteile, aber das Gepäck lässt sich verstauen und auf den Rücken schnallen. Viele der ganz leichten Rucksäcke haben kein Tragegestell, das heißt man muss ordentlich packen, damit das Gewicht richtig verteilt wird und einem nicht am Ende der Löffel in den Rücken pickst und ab einem gewissen Gewicht werden die Rucksäcke einfach unbequem. Da ich zum einen keine Ahnung habe, wie man so einen Rucksack packt und weiß, dass ich auch keine Lust drauf habe jeden Tag alles wieder ordentlich zu verstauen, habe ich mich für eine Zwischenlösung entschieden. Den Osprey Exos 58, der wiegt ein gutes Kilo, hat ein Tragegestell, eine ordentliche Rückenbelüftung und ist auch mit ein paar Kilo mehr echt bequem zu tragen.
  2. ZeltFür meine ersten Trekkingtouren hatte ich mit ein MSR Hubba angeschafft, die 1-Personen-Variante… ich bin mit dem Ding zwar durch Schottland getingelt, aber ganz ehrlich da bekommt man Platzangst drin. Man selbst passt der Länge nach rein, alles andere muss draußen bleiben, wenn man sich nicht auf dem Zeltplatz nackig machen will, wird das umziehen darin zu einer Tortur. Es geht für den Notfall, aber 6 Monate darin nächtigen, mal einen Regen abwarten etc. Nein danke, für mich war das ein Fehlkauf. Viele nutzen nur ein Tarp, also eine Plane, die Zeltförmig über dem Schlafplatz abgespannt wird und schlafen unter diesem Dach. Wenn man wirklich leicht unterwegs sein will, eine gute Möglichkeit. Da ich allerdings weder Lust auf eine Attacke von Insekten (die Viecher lieben mich) noch Besuch von Mäusen oder anderen Nagern habe, wollte ich unbedingt ein geschlossenes Zelt. Letztendlich habe ich mich für das Big Agnes Fly Creek in der 2-Personen-Variante entschieden. Es ist mit knapp einem Kilo recht leicht, bietet viel Platz und ist bis auf 2 Abspannpunkte freistehend, was den Aufbau erheblich erleichtert. Auf den Trails in den USA ist es eines der meistbenutzten Zelte und das nicht ohne Grund. Bis dato finde ich das Zelt super, einzig der etwas umständliche Einstieg vor Kopf erfordert immer etwas Kletterarbeit, aber in der Preisklasse auf jeden Fall ein super Zelt.
  3. Schlafsack und IsomatteMein schwerer Kufa-Schlafsack muss natürlich auch ersetzt werden. Am leichtesten und am besten komprimierbar ist Daune. Diese ist zwar deutlich empfindlicher bei Nässe als Kunstfaser, aber da ich auf dem PCT nicht von großem Dauerregen ausgehe, sollte es nun Daune sein. Aber Daune ist unglaublich teuer. Für einen durchschnittlichen Daunenschlafsack, der auch bis zum Gefrierpunkt warmhält ist man mal schnell 400 € oder mehr los und hat dann auch nicht wenig Gewicht dabei. Die alternative ist der Quilt, quasi eine Daunen gefüllte Decke. Daune kann nur wärmen, wenn sie sich aufbauschen kann, die ganze Daune die bei einem Schlafsack am Rücken liegt liefert daher kaum Wärmeleistung, der Quilt hat keinen Rücken, spart dort das Gewicht und bietet für mich zappelnden Seiten-/Rücken-/Bauchschläfer viel Bewegungsfreiheit. Ich habe mich für einen Comforter von Cumulus aus Polen entschieden, mit guten 200 € extrem günstig, schnell und unproblematisch geliefert. Nach meinen ersten Nächten darin auch schön warm. Alternative hierzu ist ein Quilt aus den USA von Enlightend Equipment, aus Deutschland mit Zoll etc. nicht ganz so einfach zu bestellen, aber vielleicht ein bisschen besser durchdacht und hochwertiger als der von Cumulus.

    Als Unterlage gibt es eine ultraleichte Luftmatratze von Thermarest, die Neoair Xlite. Die spendiert nicht nur ordentlich Wärme von unten sondern ist auch sehr bequem und mit 318g extrem leicht. Einziger Nachteil ist, dass das Ding nicht so robust ist, ist einmal ein Löchlein drin, ist die ganze Luftmatratze unbrauchbar, bis es repariert ist. Die Evazotte-Matten sind nahezu unkaputtbar, allerdings als Seitenschläfer sind die nur bedingt geeignet und führten bei dem ein oder anderen zu Schmerzen im Hüftbereich. Dennoch überlege ich mir als Backup und als Unterlage für Pausen zumindest ein paar Segmente einer Zlite-Isomatte mitzunehmen, mal schauen wie ich mich letztendlich entscheide.

  4. KleidungDer einfachste Weg hier Gewicht zu sparen, ist so gut wie nichts mitzunehmen. Und das werde ich letztendlich auch tun. Es bringt nichts morgens in frisch gewaschene Kleidung zu schlüpfen, wenn man eh seit 3 Tagen nicht geduscht hat. Die Hiker sind dafür bekannt, dass sie unglaublich stinken und aufgrund Wassermangels wird das auch kaum vermeidbar sein. Ich trage zum wandern also eine Zip-Off-Hose, ein Funktionsshirt, Unterwäsche (viele Hiker verzichten tatsächlich direkt auf die Unterhose) und Wandersocken. Zum schlafen gibt es ein Long-Sleeve und lange Merino Unterwäsche. Dazu kommt ein paar Socken zum Wechseln, damit im Zweifel morgens zumindest die Füße trocken sind und eine zweite Unterhose. Gewaschen wird dann möglichst einmal pro Woche wenn es mal in eine Stadt geht. Klingt ziemlich eklig…ist es wahrscheinlich auch.

    Zur normalen Kleidung gibt es noch eine Daunenjacke, da es in den Bergen ziemlich kalt sein kann, die muss dann bei Minustemperaturen auch als zusätzliche Schicht im Schlafsack dienen. Außerdem werde ich noch eine leichte Regenjacke dabei haben.

Mit noch ein bisschen anderem Kleinkram wie Kocher, Handy inkl. Ladegerät und Powerbank, Stirnlampe, Medikamente, Zahnbürste und Hygiene summiert sich das ganze doch relativ schnell und ich werde nicht ultralight auf dem Trail unterwegs sein. Aber mit einem aktuellem Rucksackgewicht von 5,6 kg, bin ich sehr zufrieden ich denke mit ein paar Kleinigkeiten die noch dazukommen wird sich das bei 6kg einpendeln.

Eine Übersicht über meine Packliste gibt es  hier


2 Gedanken zu „Ich wäre gern Ultralight

  1. Hallo Anne,

    bin auf der Suche nach Blogs für den PCT 18 auf deinen hier gestoßen. Prima, sag ich dazu. Ich werde dich bei deinem Abenteuer wohl nun etwas begleiten.

    Ultralight Ausrichtung ist schon mal gut, bist du sicher weiter als viele andere wen man das so liest. Und scheinbar bist du da auch nicht ganz unbelesen. Beste Voraussetzungen also 🙂 Das schwierigste ist wohl, was man alles weglassen kann ohne das man es wirklich benötigt…da zählt wohl nur etwas Erfahrung. Das wird schon, keine Bange…

    1. Hi Bert,
      im Infos einholen und Berichte über den PCT lesen bin ich super, ob die Umsetzung auf dem PCT dann auch so gut klappt, bleibt abzuwarten 😉
      Willst du auch mal den PCT wandern oder was treibt dich auf die Suche?
      Im übrigen tolle Homepage, der Malerweg reizt mich auch schon eine Weile. 🙂

      LG
      Anne

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