Tag 33 bis 35 Whitewater Preserve nach Big Bear

Tag 33 bis 35 Whitewater Preserve nach Big Bear

Tagesstrecke: 9.5 Meilen/ 8.2 Meilen / 10 Meilen / 5 Meilen

Die Etappe nach Big Bear war vor allem eins: Unglaublich anstrengend!

Nach dem heißen Tag schliefen wir am nächsten Tag recht lange und da uns die Mittagshitze so gar nicht reizte, blieben wir bis 3 Uhr im Whitewater Preserve bzw. am Fluss und kühlten unsere Füße. Auf dem Campingplatz lernten wir Anat aus Israel kennen, die am selben Tag wie Erik gestartet ist und ein ähnliches Schildkrötentempo hat wie wir, sie traffen wir die nächsten Tage jeden Abend an den Zeltplätzen.

Der Trail folgte die nächsten Meilen einem Fluss, damit hatten wir immer wieder Zugang zu frischem Wasser, es ist schon ganz angenehm nur einen Liter Wasser tragen zu müssen und nicht 4 oder 5. Trotzdem war dieser Abschnitt bis jetzt der schwerste für mich. Ich bekomme bei der Hitze und Anstrengung kaum was essbares runter (obwohl ich sonst immer und überall Essen kann). Die Mengen an Wasser, die ich getrunken habe spülte noch die letzten Elektrolyte aus meinen Körper raus. Meine Muskeln machten bei den Anstiegen dann einfach irgendwann dicht und jeder Schritt war eine Qual. Mit Glück bekam ich mal einen Schokoriegel runter, aber mit weniger als 1000 Kalorien bei einem Verbrauch von ca. 4000 ist es echt hart. Ich versuchte so viel Wasser wie möglich zu trinken um wenigstens nicht zu dehydrieren, was dann aber dazu führte, dass ich mich Mitten auf dem Trail übergeben musste. Naja immerhin hatte ich nichts im Magen, so dass ich nur Wasserspuren auf dem Trail hinterließ.

Bis wir gestern am Nachmittag endlich am höchsten Punkt der Etappe angekommen waren, hatte ich also nicht gerade die schönste Zeit. Also saß ich auch mal heulend im Dreck oder ließ meine Wut an einem besonders nervigen Stein auf dem Trail aus. Das ist der Vorteil an der Wüste, man kann sich so richtig den Frust aus der Seele schreien und abgesehen von ein paar Eidechsen stört es keinen.

Der Weg gestern führte durch ein Gebiet, das vor einigen Jahren abgebrannt ist. Es gibt nicht viel Grün, dafür viele schwarze verkohlte Baumreste.

Dann gab es noch eine Begegnung mit einer besonders aggressiven Klapperschlange. Normalerweise klappern die erst, wenn man recht nah dran ist. Das Vieh jedoch klapperte wie wild und ging in Angriffsstellung, obwohl ich noch ca. 4 Meter entfernt war. Da rutscht einem dann schonmal das Herz in die Hose, wenn man dann irgendwie in sicher Entfernung vorbei klettern muss.

Heute morgen gab es dann noch einen Grizzly zu sehen, leider nicht in freier Natur. Der Trail führt an einem Gehege vorbei. Die Tiere werden wohl für Filmproduktion gehalten. Allerdings sind die Minikäfige echt unteraller Sau. Ein paar Quadratmeter und absolut nichts womit sich die Tiere beschäftigen könnten. Einen Tiger hab ich auch gesehen… Ein wirklich trauriger Anblick.

Kurz nach dem Gehege konnten wir zu einer Straße und obwohl kaum Autos unterwegs waren, ergatterten wir nach knapp 30 Minuten eine Mitfahrgelegenheit nach Big Bear.

Nach den heißen Tagen auf dem Trail, fühlt man sich echt eklig. Ich hab gestunken, die Klamotten waren braun vor Staub und meine Haare eine filzige Matte. Nun liege ich frisch geduscht im Hotelzimmer, die Klamotten wurden im Waschsalon wieder halbwegs sauber und mein Magen hat auch ein Sandwich ohne Murren akzeptiert.

Sobald man sich etwas Luxus gönnt, kommen einem die Anstrengungen der letzten Tage auch gar nicht mehr so schlimm vor. Morgen am Nachmittag geht es zurück auf den Trail und das Höhenprofil sieht deutlich angenehmer aus, außerdem erwarten uns heiße Quellen und ein McDonald’s.

Ich denke dann sind auch wieder längere Strecken drin. Denn in dem Tempo sind wir erst an Weihnachten in Kanada.


Ein Gedanke zu „Tag 33 bis 35 Whitewater Preserve nach Big Bear

  1. Armes Ding Du … :o(
    In solchen Situationen merkt man erst, wie stark der menschliche Körper ist. Vielleicht wär´s gut, wenn du dir einen zweiten Zero gönnen würdest (naja, jetzt bist wahrscheinlich schon wieder drei Tage unterwegs), aber ohne ausreichende Energiezufuhr, zehrst du von deinen Grundlagen und die sind irgendwann verbraucht. Denk dran, dass du dieses einmalige Erlebnis auch genießen sollst. Aber wenn ich deine schönen Fotos sehe, siehst du neben den Entbehrungen immernoch die Schönheit der Natur :o)

    *Daumendrück*

    Alex

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